Willi Ostermann Biographie

Kölns größter Heimatdichter

„Dieser Willi Ostermann, seines Zeichens Komponist, Texter und Interpret eigenen, kölschen und rheinischen Liedguts, mit wenig musiktheoretischen Kenntnissen, dafür mit um so mehr Selbstbewusstsein und Jeföhl ausgestattet – dieser Willi Ostermann jedenfalls war ein großer. Ein Großer seines Genres. Und wahrscheinlich der Größte seiner Zeit.“

(„Stadt-Anzeiger“ am 8./9.02.1997)

Das Willi Ostermann auch heute noch populär ist, dass er in seinen Liedern weiterlebt, liegt wohl auch daran, dass diese so aktuell sind wie vor hundert Jahren, dass sich in seinen Alltagsbeschreibungen heute wie damals jeder wiederfinden kann. „Kölsch-Professor“ Dr. Heribert Hilgers hat das einmal so erklärt: „Ostermann hat zwar nie die heile Welt geschildert, weil er alles so beschrieben hat, wie es war. Aber der Optimismus, der gerade durch die kölsche Sproch geprägt wird, hat den Menschen immer wieder Aufschwung gegeben und tut es auch heute noch.“

Ostermann-Biograf Hans W. Krupp schreibt, was den Liederdichter aus der Masse herausgehoben habe, sei die Fähigkeit gewesen, das Alltagsgeschehen intensiver erfassen und erfinden zu können: „Dazu kam noch die seltene Gabe, solche Alltagserfahrungen, dramaturgisch genial, in Milieugeschichten einzubetten und wiederzugeben – und das fast ausschließlich mit den einfachen Mitten der Mundart.“

Willi Ostermann wurde am 1. Oktober 1876 (an einem Sonntag!) am Picolonischen Weg Nummer 1 in Mülheim am Rhein geboren. Drei Jahre später zog die Familie nach Deutz um. Dort besuchte Willi von 1883 bis 1891 die Volksschule. Danach absolvierte er eine dreijährige Lehre als Stereotypeur und Galvanoplastiker, lernte also das Herstellen von Matrizen sowie das Gießen und Ziselieren von Druckplatten. Den jungen Mann aber zog es zur Bühne, zum Puppenspiel, zur Parodie.

1899 entstand sein erstes Lied vom Düxer Schötzefess. Seine zweite Frau, „et Kätt“, pflegte später zwar Störenfriede barsch mit den Worten abzuwehren: „Dä Will es am komponeere“. Doch konnte Ostermann weder Noten schreiben noch lesen. Er fügte die Melodien im Kopf zusammen. Dann sang er sie auf eine Wachswalze, eine Zinkplatte, später auf ein Magnetophonband. Oder er pfiff sie einem Notenschreiber vor. Manchmal war das sein Schwager Emil Palm, ein Kapellmeister. Wenn der einmal einen fachlichen Einwand hatte, rief ihn dä Will zur Ordnung: „Bes Du dä Komponist oder ben ich et?“. Gleichwohl hat Hartmut Prieß von den Bläck Fööss einmal festgestellt: „Was dieser Mann an Musikalität in sich hatte, das bringt heute keiner mehr“.

Als der Fastelovend sein Eigenleben zu verlieren drohte, weil Revue, Schlager und auf kölsch umgetextete, zum Teil ordinäre Berliner Gassenhauer die Kölner Bühnen eroberten, revolutionierte Willi Ostermann 1907 mit seinem Lied „Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt“, das Karnevalslied. Nur ein Jahr später gewann er bei dem von der Literarischen Gesellschaft Köln initiierten „Blumenspiel“ den Preis für das beste Lied in kölscher Mundart. Jedes Jahr brachte er von da an neue Texte und Melodien heraus, mit denen er die Volksseele beschrieb und beeindruckte wie kein anderer. Es waren Lieder, die das Heimatgefühl der Menschen tief ansprachen. Der menschliche Alltag wurde in den Ostermann-Liedern ganz einfach zu etwas Faszinierendem. Belanglosigkeiten und Banalitäten wurden schillernde Wirklichkeit, in der sich jeder selbst wiederfinden konnte. Die Milieuschilderungen waren leicht mitsingbare Geschichten. Er sah dem Volk aufs Maul, schrieb, was er sah, war so etwas wie eine singende Zeitung:

De Wienands han ´nen Has em Pott
Es mer op en Kinddäuf enjelade
Et Stina muß ene Mann han
etz hätt dat Schmitze Billa en Poopelsdorf en Villa
Kutt erop, bei Palms do es de Pief verstopp...
Wä hätt dat vun der Tant jedaach

In fast dreißig Jahren entstanden mehr als 100 Ostermann-Titel. Gut zwei Dutzend davon wurden richtige Evergreens, die heute noch auch über die Grenzen Kölns hinaus bekannt sind. Das gilt natürlich ganz besonders für die Rheinlieder in hochdeutscher Sprache, die den Mann mit dem „Bibbi“ sogar im Ausland bekannt gemacht haben. Als um 1920 die Rheinromantik eine Renaissance erlebte, dichtete Willi Ostermann Lieder von Rhein, Wein und Mägdelein:

Einmal am Rhein und dann zu zwei´n alleine sein
Rheinische Lieder, schöne Frau´n beim Wein
Drum sollt ich im Leben ein Mädel mal frei´n
Da wo die sieben Berge am Rheinesstrande steh´n
O Rheinland, wie bist du so schön


Ostermann gastierte in Hamburg und Berlin, auf Norderney und Borkum, am Lago Maggiore und auf Madeira. Er besang Schallplatten, verdiente viel Geld und verspielte es am Kartentisch, beim Roulette, auf der Pferderennbahn. Ein besonderes Verhältnis muss er zu seiner Mutter gehabt haben, die er bis zu ihrem Tod 1927 regelmäßig besuchte. Von einem Künstler ließ Ostermann einen Grabstein mit folgendem Spruch setzen: „Wie glöcklich sin die, die ehr Mutter noch hann, där mer alles verzälle und die einen berode kann“.

1930 entsprach Ostermann mit seinem Lied Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia dem Wunsch nach mehr Menschlichkeit und Wohlbehagen in einer immer anonymer und fremder werdenden Gesellschaft. Im Juli 1936 erlitt Willi Ostermann bei einem Gastspiel im Kurhaus von Bad Neuenahr einen Schwächeanfall. Er wurde in die Klinik Lindenburg gebracht, die er nicht mehr verlassen sollte.

Wenige Tage vor seinem Tod am 6. August 1936 schrieb er sein letztes Lied, das bald so etwas wie die heimliche Nationalhymne der Kölner werden sollte: Wann ich su an ming Heimat denke. Die öffentliche Aufführung dieses unvollendet gebliebenen Ostermann-Liedes wurde 1944 durch Heeresverordnung der Wehrmacht untersagt, weil das Lied vom Heimweh noh Kölle die Kampfmoral der Truppe untergrabe.

Seinen Humor hatte der Fuss, wie Ostermann wegen seiner Haarfarbe genannt wurde, auch auf dem Sterbebett nicht verloren. In seinem Buch „Willi Ostermann – Ein Leben für den Frohgesang am Rhein“ erinnert der damalige Festkomitee-Präsident Thomas Liessem an die letzte Begegnung mit seinem Freund: „Dot mer noch en Glas Sekt“, soll Ostermann den behandelnden Arzt gebeten haben. Als dieser nur ein halbes Glas einschenkte, habe der Patient gefragt: „Es dat nit en beßje winnig för dä wigge Wäch en et Jenseits?“

Als Willi Ostermann am 10. August 1936 zu Grabe getragen wurde, erlebte Köln nach zeitgenössischen Schilderungen den größten Trauerzug seiner Geschichte: „Dä Wäch vum Nümaat bes Malote wor schwatz vun Minsche“, schreibt Hans W. Krupp in seiner Ostermann-Biografie. Als der Sarg sich in die Grube senkte, intonierte eine Musikkapelle im Hintergrund leise die Melodie des bis dahin schönsten Ostermann-Liedes: Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia...

Drei Jahre später, an Weiberfastnacht 1939, wurde in der Altstadt mit einem kölschen Volksfest und einer mitreißenden Rede des Festkomitee-Präsidenten und Ostermann-Freundes Thomas Liessem der Ostermann-Brunnen eingeweiht. Seit 1967 wird alljährlich zur Prinzenproklamation die Goldene Ostermann-Medaille für besondere Verdienste um das Kölner Lied verliehen. Träger dieses besonderen Ordens sind u.a. Karl Berbuer, Jupp Schmitz, Willy Schneider, Marie-Louise Nikuta, die Bläck Fööss und die Willi Ostermann Gesellschaft.

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